Papstbesuch, Aktuelle Meldung
25.09.2011 - Nr. 050

25.09.2011: Benedikt XVI. ruft zur Einheit im Glauben auf - Bischöfe schenken Papst eine Komposition

TAGESZUSAMMENFASSUNG

Unter strahlend blauem Himmel hat Papst Benedikt XVI. am Sonntagvormittag auf dem Freiburger Flughafengelände die letzte Heilige Messe seines Deutschlandbesuchs gefeiert. Vor rund 100.000 Teilnehmern  rief er die Priester, Ordensleute und Laien in Deutschland dazu auf, „fest in Christus geeint“ zu sein und in Treue zu ihrer jeweiligen Berufung zusammenarbeiteten. Am Mittag kam der Papst mit den amtierenden und emeritierten Bischöfen seines Heimatlandes zu einem Essen zusammen. Dabei schenkten sie ihm ein eigens für Benedikt XVI. komponiertes vierminütiges Werk für Chor, Bläser, Pauken und Orgel.

Benedikt XVI. forderte bei dem Gottesdienst Pfarreien, Gemeinschaften und Bewegungen auf, sich gegenseitig zu stützen und zu bereichern. Die Kirche in Deutschland werde für die weltweite katholische Gemeinschaft „weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt“, die internationale Zusammenarbeit pflegt „und sich dabei auch von der Glaubensfreude der jungen Kirchen anstecken lässt“, so der Papst in seiner Predigt.

Sein Plädoyer zur Einheit verband Benedikt XVI. mit dem Ruf zur Demut. Christliche Existenz sei „Dasein für den anderen, demütiger Einsatz für den Nächsten und das Gemeinwohl“. Demut habe in der Welt noch nie hoch im Kurs gestanden. Aber Christen wüssten, dass diese Tugend „gleichsam das Öl ist, das Gesprächsprozesse fruchtbar, Zusammenarbeit einfach und Einheit herzlich macht“.

Der Papst sprach allen Mitarbeitern des Deutschen Caritasverbandes, dessen Zentrale sich in Freiburg befindet, sowie anderen kirchlichen Organisationen seinen Dank und seine Wertschätzung aus. Ohne sie wäre „das Leben in den Pfarreien und in der Kirche als ganzer nicht denkbar“. Zugleich rief er sie dazu auf, ihre persönliche Gottesbeziehung zu vertiefen. Nächstenliebe sei mehr als „technischer Service“. Die Erneuerung der Kirche könne „letztlich nur durch die Bereitschaft zur Umkehr und durch einen erneuerten Glauben kommen“. An der Heiligen Messe nahmen 97 Bischöfe aus dem In- und Ausland teil.

Primizspruch des Papstes vertont

Beim Mittagessen übergab der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, dem katholischen Kirchenoberhaupt als offizielles Geschenk eine eigens in Auftrag gegebene Komposition.  Dabei handelt es sich um eine Vertonung des Primizspruches des jungen Joseph Ratzinger. Der Wahlspruch zu seiner Priesterweihe vor 60 Jahren in Freising „Wir wollen ja nicht Herren über euren Glauben sein, sondern wir sind Helfer zu eurer Freude“ wurde von dem Eichstätter Domkapellmeister Christian Matthias Heiß in ein Musikstück umgesetzt. Heiß war als Schüler bei den Regensburger Domspatzen in der Zeit, als sie vom Bruder des Papstes, Domkapellmeister Georg Ratzinger, geleitet wurden.
Das vierminütige Werk für Chor, Bläser, Pauken und Orgel soll bei der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz am 5. Oktober in Fulda uraufgeführt werden. Zollitsch gab dem Papst die Unikat-Ausgabe der Partitur. Später soll der Papst eine CD-Aufnahme von dem Werk erhalten, das den lateinischen Titel „Non quia dominamur“ trägt.
Heiß wurde 1967 geboren und studierte Kirchenmusik und Orgel an der Musikhochschule München. Anschließend war der Komponist musikalischer Assistent am Eichstätter Dom, bevor er als Kirchenmusiker in Ravensburg tätig wurde. Ab 1999 war er Domorganist in Eichstätt. Im Herbst 2002 wurde er zum Eichstätter Domkapellmeister berufen.

Papst spricht im Konzerthaus über Sendung der Kirche

Am Sonntagnachmittag warnte der Papst im Freiburger Konzerthaus davor, die Botschaft des Evangeliums zu relativieren und sich zu sehr „den Maßstäben der Welt“ anzugleichen. Vor rund 1.400 Gästen und in Anwesenheit von Bundespräsident Christian Wulff und seiner Frau sprach er von der Gefahr, dass „die Kirche sich in dieser Welt einrichtet“ und „selbstgenügsam“ wird. Durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt werde immer wieder das Zeugnis verdunkelt. Organisation und Institutionalisierung dürften für die Kirche kein größeres Gewicht erhalten als ihre Sendung. Um diese zu verwirklichen, müsse die Kirche „immer wieder auf Distanz zu ihrer Umgebung nehmen“ und sich gewissermaßen  „ent-weltlichen“.

Dies bedeutet nach den Worten des Papstes für die Kirche aber keinesfalls, sich aus der Welt zurückziehen. Im Gegenteil. Eine von ihrer materiellen und politischen Privilegien entlastete Kirche könne sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden und in diesem Sinne weltoffen sein, gerade auch im sozial-karitativen Bereich. Die Kirche finde ihren Sinn ausschließlich darin, die Welt mit dem Wort Gottes zu durchdringen. Dies gelte auch mit Blick auf den seit Jahrzehnten zu beobachtenden „Rückgang der religiösen Praxis“ und der „zunehmenden Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben“. Um ihren eigentlichen Auftrag zu erfüllen, müsse die Kirche sich ändern und immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von der Verweltlichung zu lösen.

Papst bedauert „schmerzliche Skandale“ in jüngster Zeit

Indirekt nahm der Papst auch zum Thema Missbrauch Stellung. Benedikt XVI. kritisierte, dass der christliche Anspruch der Kirche in jüngster Zeit von den „schmerzlichen Skandalen der Verkünder des Glaubens“ überdeckt worden sei. Gefährlich werde es, wenn der Zugang zur christlichen Botschaft  durch „die Unbotmäßigkeit ihrer Boten“ versperrt werde.

Der Papst äußerte sich bei einer Begegnung mit Frauen und Männern, die sich in Kirche und Gesellschaft engagieren. Darunter waren Vertreter der Wissenschaft, Kultur, Medien, Wirtschaft, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik. An dem Treffen nahmen auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, die Bundesminister Dr Hans-Peter Friedrich und Dr. Annette Schavan, Generalbundesanwältin Prof. Monika Harms und Bundesverfassungsrichter Prof. Udo Di Fabio sowie Showmaster Thomas Gottschalk teil. 17 Personen wurden dem Papst persönlich vorgestellt, darunter die früheren Bundesverfassungsrichter Prof. Ernst-Wolfgang Böckenförde und Prof. Paul Kirchhof, der badische evangelische Landesbischof Dr. Ulrich Fischer, der Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Bernd Klaschka, und der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Dr. Peter Neher.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, sagte bei seiner Begrüßung, der Beitrag der Christen zu einem zukunftsfähigen Gemeinwesen sei „keine Frage des Wollens, sondern als politisch-diakonischer Auftrag integraler Bestandteil des christlichen Glaubens“. Die Kirche leiste bis heute in vielen gesellschaftlichen Bereichen Pionierarbeit. „Das wird gerade hier in Freiburg, der Stadt der Caritas, besonders deutlich“, so Zollitsch. In Freiburg hat der Deutsche Caritasverband seinen Sitz.

Vor der Begegnung im Konzerthaus war der Papst mit Bundesverfassungsrichtern zusammengekommen. Dieses Treffen im Freiburger Priester war nicht öffentlich. Zu den Teilnehmern gehörten Gerichtspräsident Prof. Andreas Voßkuhle, sein Stellvertreter Ferdinand Kirchhof, Prof. Udo Di Fabio, Prof. Rudolf Mellinghoff, Prof.  Gertrude Lübbe-Wolff, Prof. Michael Eichberger, Wilhelm Schluckebier und Prof. Peter Huber.

Papst beendet Deutschlandbesuch

Um 19.36 Uhr hob der Airbus A320 der Lufthansa mit dem Kirchenoberhaupt an Bord am Flughafen Freiburg-Lahr Richtung Rom ab. Verabschiedet wurde er von Bundespräsident Christian Wulff, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, dem Botschafter des Papstes in der Bundesrepublik, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch, und weiteren Vertretern des deutschen Episkopats.

Während der Abschiedszeremonie am Flughafen dankte der Papst allen Beteiligten für die „erlebnisreichen und bewegenden Tage in unserer Heimat“. Die zahlreichen Begegnungen mit Politikern, Kirchenvertretern und Gläubigen hätten ihn „zuversichtlich für die Kirche und die Zukunft des Christentums in Deutschland“ gestimmt. Benedikt XVI. ermutigte die Kirche, „mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren.“ Der Papst äußerte seine Hoffnung, das kleine Gemeinschaften von Glaubenden „in die pluralistische Gemeinschaft mir ihrer Begeisterung hineinstrahlen“ und damit andere neugierig machten.

Zuvor hatte der Bundespräsident sich bei Benedikt XVI. für seinen Besuch bedankt. Er habe die Menschen beschenkt mit „bewegenden Momenten, die uns alle unvergesslich bleiben“. Wulff betonte, dass dem Papst die Einheit der Konfessionen und der Dialog mit den Religionen am Herzen lägen. Er habe auf seiner Reise „viele Zeichen gesetzt, Orientierung und Maßstäbe vermittelt, die nicht nur bequem sind und die uns allen zu denken geben - den Katholiken und den übrigen Christen genauso wie den Nichtchristen“. Der Papst habe sich dem Suchen und Fragen der Menschen gestellt und „manche Brücke geschlagen“. Wulff betonte: „Wir wünschen uns, dass Sie diesen Weg beherzt weitergehen, dass Sie helfen, Getrenntes zu verbinden, dass Sie dazu beitragen, dass die Kirche den Menschen nahe bleibt, und dass Sie die Fragen, die in den vergangenen Tagen an Sie herangetragen wurden, weiter bewegen.“ Der Bundespräsident endete mit der Einladung an den Papst, Deutschland gern noch einmal zu besuchen, auch im privaten Rahmen.

Wulff hatte den Papst bereits zum Auftakt seines Deutschlandbesuchs am Donnerstagmorgen auf dem Flughafen Berlin-Tegel empfangen und auf weiten Strecken der Reise von Berlin nach Erfurt, ins thüringische Eichsfeld und zuletzt nach Freiburg begleitet.

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