Papstbesuch, Aktuelle Meldung
25.09.2011 - Nr. 048

25.09.2011: „Weder Rückzug noch Anpassung“

Papst spricht im Konzerthaus über Sendung der Kirche

Papst Benedikt XVI. hat am Sonntagnachmittag im Freiburger Konzerthaus davor gewarnt, die Botschaft des Evangeliums zu relativieren und sich zu sehr „den Maßstäben der Welt“ anzugleichen. Vor rund 1.400 Gästen und in Anwesenheit von Bundespräsident Christian Wulff und seiner Frau sprach er von der Gefahr, dass „die Kirche sich in dieser Welt einrichtet“ und „selbstgenügsam“ wird. Durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt werde immer wieder das Zeugnis verdunkelt. Organisation und Institutionalisierung dürften für die Kirche kein größeres Gewicht erhalten als ihre Sendung. Um diese zu verwirklichen, müsse die Kirche „immer wieder auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen“ und sich gewissermaßen  „ent-weltlichen“.

Dies bedeutet nach den Worten des Papstes für die Kirche aber keinesfalls, sich aus der Welt zurückziehen. Im Gegenteil. Eine von ihrer materiellen und politischen Privilegien entlastete Kirche könne sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden und in diesem Sinne weltoffen sein, gerade auch im sozial-karitativen Bereich. Die Kirche finde ihren Sinn ausschließlich darin, die Welt mit dem Wort Gottes zu durchdringen. Dies gelte auch mit Blick auf den seit Jahrzehnten zu beobachtenden „Rückgang der religiösen Praxis“ und der „zunehmenden Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben“. Um ihren eigentlichen Auftrag zu erfüllen, müsse die Kirche sich ändern und immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von der Verweltlichung zu lösen.

Papst bedauert „schmerzliche Skandale“ in jüngster Zeit

Indirekt nahm der Papst auch zum Thema Missbrauch Stellung. Benedikt XVI. kritisierte, dass der christliche Anspruch der Kirche in jüngster Zeit von den „schmerzlichen Skandalen der Verkünder des Glaubens“ überdeckt worden sei. Gefährlich werde es, wenn der Zugang zur christlichen Botschaft  durch „die Unbotmäßigkeit ihrer Boten“ versperrt werde.

Der Papst äußerte sich bei einer Begegnung mit Frauen und Männern, die sich in Kirche und Gesellschaft engagieren. Darunter waren Vertreter der Wissenschaft, Kultur, Medien, Wirtschaft, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik. An dem Treffen nahmen auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, die Bundesminister Dr Hans-Peter Friedrich und Dr. Annette Schavan, Generalbundesanwältin Prof. Monika Harms und Bundesverfassungsrichter Prof. Udo Di Fabio sowie Showmaster Thomas Gottschalk teil. 17 Personen wurden dem Papst persönlich vorgestellt, darunter die früheren Bundesverfassungsrichter Prof. Ernst-Wolfgang Böckenförde und Prof. Paul Kirchhof, der badische evangelische Landesbischof Dr. Ulrich Fischer, der Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Bernd Klaschka, und der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Dr. Peter Neher.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, sagte bei seiner Begrüßung, der Beitrag der Christen zu einem zukunftsfähigen Gemeinwesen sei „keine Frage des Wollens, sondern als politisch-diakonischer Auftrag integraler Bestandteil des christlichen Glaubens“. Die Kirche leiste bis heute in vielen gesellschaftlichen Bereichen Pionierarbeit. „Das wird gerade hier in Freiburg, der Stadt der Caritas, besonders deutlich“, so Zollitsch. In Freiburg hat der Deutsche Caritasverband seinen Sitz.

Vor der Begegnung im Konzerthaus war der Papst mit Bundesverfassungsrichtern zusammengekommen. Dieses Treffen im Freiburger Priesterseminar war nicht öffentlich. Zu den Teilnehmern gehörten Gerichtspräsident Prof. Andreas Voßkuhle, sein Stellvertreter Ferdinand Kirchhof, Prof. Udo Di Fabio, Prof. Rudolf Mellinghoff, Prof.  Gertrude Lübbe-Wolff, Prof. Michael Eichberger, Wilhelm Schluckebier und Prof. Peter Huber.

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