Papstbesuch, Aktuelle Meldung
24.09.2011 - Nr. 046

24.09.2011: Benedikt XVI. würdigt Glaubensstärke der DDR-Katholiken und wird von Jugendlichen in Freiburg gefeiert

Tageszusammenfassung

Mit einer Messe auf dem Erfurter Domplatz endete am Samstagmorgen der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Thüringen. Vor 27.900 Gottesdienstteilnehmern lobte der Papst die Glaubensstärke der Katholiken in der früheren DDR. Besonders im Eichsfeld hätten viele katholische Christen der kommunistischen Ideologie widerstanden und dabei auch persönliche Nachteile in Kauf genommen. Benedikt XVI. dankte vor allem den Eltern, „die inmitten der Diaspora und einem kirchenfeindlichen politischen Umfeld ihre Kinder im katholischen Glauben erzogen haben“.

Der Papst betonte, die Wende von 1989 sei „nicht nur durch das Verlangen nach Wohlstand und Reisefreiheit motiviert“ gewesen, „sondern auch entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit.“  Diese Sehnsucht sei unter anderem durch Menschen wach gehalten worden, die ganz im Dienst für Gott und den Nächsten gestanden hätten und bereit gewesen seien, ihr Leben zu opfern. Sie ermutigten dazu, die gewonnene Freiheit verantwortlich zu nutzen und sich nicht in einem bloß privaten Glauben zu verstecken. Nach dem Gottesdienst brachte ein Flugzeug den Papst ins Erzbistum Freiburg.

Mit dem Papamobil zum Münsterplatz

Gegen 12.30 Uhr erreichte die Maschine den Flughafen Lahr, wo der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Papst empfing. Durch die Freiburger Altstadt fuhr Benedikt XVI. im Papamobil zum Münsterplatz. Dabei jubelten ihm mehr als 25.000 Passanten zu. Mit Benedikt XVI. besuchte zum ersten Mal ein Papst Freiburg, allerdings nahm Joseph Ratzinger als Kardinal 1978 am Freiburger Katholikentag teil.

Ackermann: Papst hat Missbrauchsopfern sehr aufmerksam zugehört

Bereits am Morgen hatte der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann vor Journalisten nähere Angaben zu den Umständen des vertraulichen Treffens von fünf Missbrauchsopfern mit dem Papst am Vorabend gemacht. Die drei Männer und zwei Frauen hätten „kein Blatt vor den Mund genommen“, Benedikt XVI. habe ihnen sehr aufmerksam zugehört und sich tief beschämt gezeigt. Die Gesprächsatmosphäre sei „sehr menschlich und offen“ gewesen, berichtete der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz.

Bei einem Bilanzpressegespräch zur Thüringen-Station des Papstes zogen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und der Erfurter Bischof Dr. Joachim Wanke am Mittag ein positives Fazit. Die Pilger nähmen aus den Begegnungen in Etzelsbach und Erfurt eine anhaltende Stärkung und Freude mit. Der Bischof dankte allen, die zum Gelingen der „für eine kleine Ortskirche inhaltsreichen und emotionalen Tage“ beigetragen hätten, sowie den Erfurter Bürgern, die mit viel Verständnis gesperrte Straßen und Sicherheitsvorkehrungen ertragen hätten. Lieberknecht sprach von einem „großartigen Ereignis“. Als evangelische Theologin sei sie keineswegs davon enttäuscht, dass der Papst keine konkreten Zugeständnisse an ihre Kirche gemacht habe. „Ich habe Geduld in der Ökumene.“

Begegnungen mit Altkanzler Kohl, Orthodoxen, Seminaristen und dem ZdK

Am späteren Nachmittag traf Benedikt XVI. auf eigenen Wunsch mit Altkanzler Dr. Helmut Kohl und seiner Gattin zu einem vertraulichen Gespräch im Freiburger Priesterseminar zusammen. Danach folgte ein Treffen mit Vertretern der Orthodoxie. Dabei unterstrich Benedikt XVI. die Gemeinsamkeiten mit der römisch-katholischen Kirche. Zugleich äußerte der Papst bei der nicht öffentlichen Zusammenkunft die Hoffnung, dass der Tag nicht mehr fern sei, an dem beide Kirchen wieder gemeinsam Eucharistie feiern können. Allerdings müssten dafür noch theologische Differenzen geklärt werden, insbesondere bezüglich der Stellung des Papstes.

Im Anschluss begegnete der Papst den Seminaristen des Freiburger Priesterseminars und dann dem Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). In dem etwa halbstündigen Gespräch hinter verschlossenen Türen forderte Benedikt XVI. laut Redetext zum gemeinsamen Nachdenken darüber auf, warum viele Menschen zu den etablierten Kirchen mit ihren überkommenen Strukturen keinen Kontakt fänden.

ZdK-Präsident Alois Glück sagte, er verstehe die Begegnung mit dem Papst als „Anerkennung“ für den „vielfältigen Einsatz“ der Laien in Kirche und öffentlichem Leben in Deutschland. Er dankte Benedikt XVI. für seine „eindeutige und unmissverständliche Position zu den Tatsachen des schrecklichen sexuellen Missbrauchs“. Die „Schock-Erlebnisse“ des vergangenen Jahres hätten die katholische Kirche in Deutschland im Inneren getroffen sowie ihre gesellschaftliche und öffentliche Position verändert. Deswegen seien die Laien „sehr dankbar“ für den von den deutschen Bischöfen eingeleiteten Dialogprozess. Der ZdK-Präsident betonte, dass es den Laien nicht um eine „vordergründige Modernisierung oder Anpassung“ der Kirche gehe, sondern vielmehr darum, die Botschaft Jesus den „Menschen von heute“ zu vermitteln. Bei den bisherigen Gesprächen habe sich als „dringlichste Aufgabe“ gezeigt, dem „Ruf nach einer barmherzigen Pastoral’“ nachzukommen, sagte Glück.

Papst feiert Gebetsvigil mit Jugendlichen

Am Abend feierte Benedikt XVI. gemeinsam mit 23.000 Jugendlichen eine Gebetsvigil auf dem Freiburger Messegelände. Der Papst rief die jungen Gläubigen auf, ihre Religiosität engagiert zu leben: „Habt den Mut, eure Talente und Begabungen für Gottes Reich einzusetzen und euch hinzugeben“. Dabei sollten sie keine Angst vor dem Scheitern haben. „Christus achtet nicht so sehr darauf, wie oft ihr im Leben strauchelt, sondern wie oft ihr wieder aufsteht“, sagte Benedikt XVI. Christus fordere „keine Glanzleistungen, sondern möchte, dass Sein Licht in euch scheint“.

Alle Rechte vorbehalten © 2017 Deutsche Bischofskonferenz

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz | DBK.de | pressestelle(at)dbk.de | Kaiserstrasse 161 | 53113 Bonn | Telefon: 0228 103-214 | Fax: 0228 103-254