Papstbesuch, Aktuelle Meldung
24.09.2011 - Nr. 044

24.09.2011: „Vielen Menschen mangelt es an der Erfahrung der Güte Gottes“

Der Papst trifft das Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Bei der Begegnung mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) im Freiburger Priesterseminar hat Papst Benedikt XVI. zum gemeinsamen Nachdenken darüber aufgefordert, warum viele Menschen zu den etablierten Kirchen mit ihren überkommenen Strukturen keinen Kontakt fänden. In Deutschland sei die Kirche „bestens organisiert“. Es gebe aber „einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist“, sagte der Papst in dem etwa halbstündigen Treffen mit dem ZdK-Präsidium. Wenn die Kirche nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finde, werde alle strukturelle Reform wirkungslos bleiben.

Benedikt XVI. kritisierte einen „alle Lebensbereiche durchdringenden  Relativismus“. Dieser nehme immer mehr Einfluss auf menschliche Beziehungen sowie die Gesellschaft und schlage sich in „Unbeständigkeit und Sprunghaftigkeit“ sowie in einem „übersteigerten Individualismus“ nieder. Zugleich nehme selbstloses Engagement für das Gemeinwohl ab.

In der reichen westlichen Welt herrsche ein Mangel, stellte der Papst fest. Vielen Menschen fehle die „Erfahrung der Güte Gottes“. Für sie müsse es Orte geben, „wo sie ihr inneres Heimweh zur Sprache bringen können“. Die Kirche sei aufgefordert, „neue Wege der Evangelisierung“ zu suchen.  Ein solcher Weg könnten „kleine Gemeinschaften“ sein, wo Freundschaften gelebt und durch regelmäßiges gemeinsames Gebet vertieft würden.

Glück unterstreicht Bedeutung der Laien in der Kirche

ZdK-Präsident Alois Glück sagte, er verstehe die Begegnung mit dem Papst als „Anerkennung“ für den „vielfältigen Einsatz“ der Laien in Kirche und öffentlichem Leben in Deutschland. Er dankte Benedikt XVI. für seine „eindeutige und unmissverständliche Position zu den Tatsachen des schrecklichen sexuellen Missbrauchs“. Die „Schock-Erlebnisse“ des vergangenen Jahres hätten die katholische Kirche in Deutschland im Inneren getroffen sowie ihre gesellschaftliche und öffentliche Position verändert. „Der große Vertrauensverlust ist nachhaltig spürbar.“ Die Erschütterungen dieses Skandals hätten überdies „zu vielen Diskussionen geführt, die nur um den Preis der weiteren Entfremdung und des Auszugs vieler Gläubigen aus der Kirche blockiert werden könnten“. Deswegen seien die Laien „sehr dankbar“ für den von den deutschen Bischöfen eingeleiteten Dialogprozess. Der ZdK-Präsident betonte, dass es den Laien nicht um eine „vordergründige Modernisierung oder Anpassung“ der Kirche gehe, sondern vielmehr darum, die Botschaft Jesus den „Menschen von heute“ zu vermitteln. Dies bedeute nicht, „alles in Frage zu stellen“, sondern „vor allem die Bereitschaft, sich auch selbst zu verändern“.

Bei den bisherigen Gesprächen habe sich als „dringlichste Aufgabe“ gezeigt, dem „Ruf nach einer barmherzigen Pastoral’“ nachzukommen, sagte Glück. Besonders beschäftige das ZdK, welche Konsequenzen aus dem „immer größeren Priestermangel“ gezogen würden. Durch die Schaffung immer größerer Einheiten drohe ein „Rückzug der Kirche aus den sozialen Nahräumen“, mit der Folge, dass „Glaube und Kirche immer weniger in Gemeinschaft erlebt werden können“. Deshalb sei die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zwischen Priestern und Laien besonders wichtig.

Alle Rechte vorbehalten © 2017 Deutsche Bischofskonferenz

Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz | DBK.de | pressestelle(at)dbk.de | Kaiserstrasse 161 | 53113 Bonn | Telefon: 0228 103-214 | Fax: 0228 103-254